Man nehme ein modernes Management und ganz viel Lernbereitschaft – das Ergebnis sind Erfolg und Bewunderung. Die Netgo GmbH hat das zumindest geschafft und eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte hingelegt. BZ-Redakteur Sven Kauffelt hat mit Geschäftsführer Benedikt Kisner über die Unternehmens-Strategie gesprochen.

Als der Neubau an der Landwehr vor sechs Jahren Formen annahm, ließen spöttische Kommentare über die „Emporkömmlinge“ der Netgo GmbH nicht lange auf sich warten. „Glaspalast“ nannte manch alteingesessener Unternehmer den schicken Bau abfällig, der als erster auf dem alten Kasernengelände entstand. Heute würde keiner mehr auf die Idee kommen. Der Spott ist vielmehr Bewunderung gewichen – oder Neid, was in Geschäftskreisen eine hohe Auszeichnung ist.

Benedikt Kisner winkt ab. Lange her. Zusammen mit Patrick Kruse führt Kisner heute ein Unternehmen, das 90 Mitarbeiter an sieben Standorten beschäftigt, 18 Millionen Euro Umsatz erzielt und „kerngesund“ ist, wie er sagt: „Die GmbH ist schuldenfrei. Wir haben nie mit Schulden Wachstum erkauft, sondern immer nur unsere Überschüsse refinanziert.“ Die Erfolgsgeschichte hat sich rumgesprochen. Vor drei Jahren erhielt Netgo den „Preis des deutschen Mittelstands“ – und hat allein seitdem wieder über 30 Mitarbeiter eingestellt und drei neue Niederlassungen eröffnet.

Soll das so weitergehen? „Gerne“, sagt Benedikt Kisner und lacht herzlich. Die Weichen dafür sind gestellt. Der Borkener IT-Dienstleister hat mittlerweile Kunden aus der ersten Reihe akquiriert: die Telekom, Rheinmetall, einige große Ministerien zählen dazu. Und noch einige mehr, die Kisner aber nicht nennen darf. Die Basis des Unternehmens liegt aber weiter in Borken und Umgebung.

Dabei verfolgt das Unternehmen eine Strategie, die sich bezahlt gemacht hat. „Wir sind ehrlich zu unseren Kunden“, erklärt Kisner. Für ihn mehr als eine Floskel. „Das fängt damit an, dass wir unsere Mitarbeiter ganz bewusst nicht provisionsabhängig bezahlen. Denn ich will nicht, dass sie in die Verlegenheit kommen, Kunden Produkte oder Dienstleistungen zu verkaufen, die diese gar nicht benötigen.“ Teil zwei dieser Ehrlichkeitsstrategie: Netgo sagt auch mal Nein zu Kunden, wenn die Lösungen haben wollen, die auf Dauer nicht funktionieren können. „Das fällt sonst doch auf uns zurück“, erklärt Kisner, der sicher ist, dass sich das auszahlt: „Wir werden als sehr qualitativer Anbieter wahrgenommen, gerade weil wir auch Nein sagen können.“

Im nächsten Schritt soll die Service-Qualität weiter verbessert werden. Dazu gehört, dass Netgo die Kunden während des gesamten Entwicklungsprozesses stärker einbinden, diesen so transparenter gestalten will. Gerade in der IT sei es häufig so, dass der Kunde einen Auftrag abgibt und irgendwann am Ende eine Lösung herauskommt. Ein Unding, findet Kisner, gerade bei komplexen Lösungen. Und um die geht es bei den Aufträgen an die Netgo-Techniker fast immer.

Was die Suche nach Mitarbeitern nicht einfach macht. Trotzdem sagt Kisner: „Wir haben bisher keine Probleme.“ Für Mitarbeitergewinnung und Marketing „haben wir von Anfang an verhältnismäßig viel Geld ausgegeben“, so Kisner. Er sieht Marketing, Sponsoring und Mitarbeiter-Recruiting, wie es neudeutsch heißt, als Zusammenspiel.

Wenn das Unternehmen der Heimspielstätte der SG Borken seinen Namen gibt, den Borken Beach sponsert und Banden beim Volleyball bucht, „dann hilft uns das einerseits, uns als Marke zu etablieren und andererseits, gewachsene Strukturen in der Region zu fördern“. Von beidem will man profitieren. „Potenzielle Auszubildende kennen uns schon, was dazu führt, dass wir sehr viele Bewerbungen für Ausbildungsstellen bekommen“, erklärt Kisner einerseits. Indirekt soll die Unterstützung dann helfen, dass den Auszubildenden vorher in den Vereinen wichtige Werte vermittelt werden. „Das ist ein wenig um die Ecke gedacht“, gesteht der Geschäftsführer. „Wir wollen weiter und dauerhaft wachsen. Das geht nur in einer Region, in der Menschen gerne leben, in der sie sich niederlassen und Familien gründen.“

Er selbst lebt das vor. „Ich habe nie woanders als in Erle gelebt“, sagt Kisner. Jetzt werden seine Kinder dort ebenfalls groß. Da käme es zum Beispiel nie in Frage, den Firmensitz in eine andere Region zu verlegen. „Das hier ist Heimat“, sagt er einfach. Aber auch schon eine, die an ihre Grenzen stößt. Denn das Gebäude, der Glaspalast, für den sie vor sechs Jahren noch belächelt wurden, der ist mittlerweile zu klein. „Wir denken über verschiedene Lösungen nach.“ Damit kennen sie sich ja aus bei Netgo.

Quelle: Borkener Zeitung
Autor: Sven Kauffelt
Foto: Sven Kauffelt